Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich

„Café Samt & Seide“

1927

„Café Samt & Seide“, Die Mode der Dame, Berlin 1927

Im Juni 1927 erhält Mies vom Verein deutscher Seidenwebereien den Auftrag, einen Repräsentationsstand für die deutsche Seidenindustrie zu entwerfen. Im Rahmen der Messe Die Mode der Dame in der gerade fertig gestellten Messehalle am Berliner Funkturm präsentiert sich der in Krefeld ansässige Industrieverband erstmals der Öffentlichkeit.

Seit 1926 waren Überlegungen zum Marketing in den Fokus des Verbandes gerückt. Wohl auf Grund der Verbindung seines Vorstandsmitglied Hermann Lange zu Mies, der im selben Jahr erste Entwürfe für die privaten Wohnhäuser von Hermann Lange und Josef Esters anfertigt, fällt die Wahl auf Mies als Architekten des Messestandes.

Mies führt das Projekt gemeinsam mit seiner Partnerin Lilly Reich aus.

Mies und Reich entwickeln den Messestand als freie Fläche, die ausschließlich durch Stoffbahnen räumlich gegliedert wird. Von unterschiedlicher Höhe hängen Seiden- und Samtstoffe wie Vorhänge an geraden und geschwungenen Stahlrohren und bilden unterschiedliche Zonen. Wie im Glasraum, dem Repräsentationsstand der Glasindustrie auf der Werkbundausstellung in Stuttgart 1927, verwenden Mies und Reich das auszustellende Material als ein raumkonstituierendes Element.

Der Stand wird als Café genutzt, das die Architekten mit den gerade erst entwickelten Freischwingern und Stahlrohrtischen von Mies möblieren.

Das Café Samt & Seide füllt eine circa 300 Quadratmeter große Fläche am Ende der Messehalle. Unter der umlaufenden Empore erweitert es sich in Einzelkojen zur Präsentation von Samt– und Seidenbändern und weiteren Stoffen.

Nach ihrer Präsentation in Berlin wandert die Ausstellung 1927/1928 nach Krefeld und Utrecht, Niederlande.

Christiane Lange, 2011

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