11.02.2016

Bauhaus 100 und Krefeld

Projekt MIK e.V. plant neues Projekt zum Bauhaus Jubiläum 2019

Die Spurensuche geht weiter:
Krefeld, das Bauhaus und die Architekturmoderne
Projekt MIK e.V. plant Forschungen, Ausstellungen und Veranstaltungen zum Bauhaus-Jubiläum 2019

Der 2010 gegründete Krefelder Verein Projekt MIK e.V., der sich die Erforschung und Vermittlung der Verbindung zwischen Krefelder Auftraggebern und der künstlerischen und architektonischen Avantgarde zum Ziel gesetzt hat, bereitet neue Aktivitäten vor. Nach dem Aufsehen erregenden Ausstellungsprojekt „Mies 1:1“ im Sommer 2013, für das ein von Ludwig Mies van der Rohe 1930 für den Krefelder Golfclub geplantes Clubhaus vorübergehend als begehbares Modell am Originalstandort realisiert wurde, stehen jetzt die Verbindungen der Krefelder Seidenindustrie zum legendären Bauhaus im Mittelpunkt der Planungen.

Anlass ist das Bauhaus-Jubiläum 2019, das an die Gründung der legendären Kunstschule in Weimar (ab 1925 Dessau, ab 1932 Berlin) erinnert. Zum 100jährigen Bestehen des Bauhauses finden in ganz Deutschland in Kooperation mit Partnern in der ganzen Welt vielfältige kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten statt. Denn obwohl die von Walter Gropius gegründete Kunstschule nur 14 Jahre bestand und 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde, wirkt das, was dort gelehrt, gedacht und geschaffen wurde, bis heute weltweit fort. Das will der Bauhaus Verbund 2019 deutlich machen: eine Arbeitsgemeinschaft des Bundes sowie der Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Als Informationsplattform für alle Aktivitäten dient die soeben frei geschaltete Website
www.bauhaus100.de.

Der Standort für die Projekte in Nordrhein-Westfalen wird Krefeld sein, denn dort kümmert sich bereits seit sechs Jahren der Verein Projekt MIK e.V. um die Erforschung und Präsentation des Bauhaus-Erbes. Die dort angesiedelte Seidenindustrie unterhielt in den 1920er-Jahren vielfältige Verbindungen zum Bauhaus und zu seinem dritten Direktor, Ludwig Mies van der Rohe, der in Krefeld mehrere Bauten realisierte. Es entstand ein kulturell-industrielles Netzwerk aus Vertretern der Avantgarde, Protagonisten der Seidenindustrie und verschiedenen Institutionen, das bis in die Nachkriegszeit Bestand hatte. Weltberühmtes Beispiel für diese Kooperation sind die heute von den Kunstmuseen Krefeld genutzten, von Mies van der Rohe entworfenen Fabrikantenvillen Haus Lange und Haus Esters.

Doch nicht nur in der Architektur finden sich Spuren der Kontakte zwischen Seidenfabrikanten und Bauhaus. So wurde zum Beispiel der Maler, Farbtheoretiker und Bauhaus-Lehrer Johannes Itten 1931 zum Leiter der neu gegründeten Flächenkunstschule in Krefeld berufen, Georg Muche und andere folgten als Lehrende. Und selbst in der Stadtverwaltung fanden sich Absolventen der berühmten Kunstschule in Weimar/Dessau.

Zum Bauhaus Jubiläum 2019 wird die Bedeutung des Bauhauses als Community und Netzwerk im Kontext der Moderne in Krefeld im Mittelpunkt stehen. Das Projekt wird von Projekt MIK e. V. in Kooperation mit der Stadt Krefeld und dem Land Nordrhein-Westfalen konzipiert. Eine begehbare Skulptur des in Düsseldorf lebenden Künstlers Thomas Schütte wird Ort und Ausgangspunkt für Debatten und Vorträge sein und eine Ausstellung zum Thema zeigen. Erste Informationen zum Krefelder Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum sind ebenfalls im Internet einsehbar:
www.bauhaus100.de/de/jubilaeum/akteure/verbundmitglieder/NRW.html
Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Neben weiteren Forschungen zum Erbe der „Bauhäusler“ in Krefeld, so Christiane Lange, Vorsitzende von Projekt MIK e.V., gehe es bei den Aktivitäten in Krefeld vor allem auch darum, „die architektonische Geschichte der Stadt sichtbar und erfahrbar werden zu lassen und für die Rolle von Baukultur als jedermann betreffendes Element einer Stadtgesellschaft zu sensibilisieren“. Die Stadt Krefeld sieht im Bauhaus-Jubiläum einen Baustein für einen angestrebten Perspektivwechsel auf ihr kultur- und industriegeschichtliches Erbe. Man habe jetzt die Chance, dem inzwischen Jahrzehnte alten Werbeslogan „Stadt wie Samt und Seide“ einen neuen, zeitgemäßen Inhalt zu geben.


Projekt MIK e.V.
Bismarckplatz 35
47799 Krefeld
info(at)projektmik.com