29.05.2019

Bauhaus und Textilindustrie – Das Buch mit neuen Fakten und Zusammenhängen

Die Reaktionen schwanken zwischen Überraschung und Begeisterung, sind jedoch durchweg positiv. Wer die Ausstellung „Bauhaus und Seidenindustrie“ im KREFELD PAVILLON von Thomas Schütte verlässt, tut dies mit dem Gefühl, mehr zu wissen, einiges verstanden zu haben und manches neu oder anders zu sehen. Das ist jedenfalls den vielen Kommentaren der Besucher, aber auch den vielen Berichten und Rezensionen in der Presse zu entnehmen. Aber woran liegt das?

Der Grund scheint tatsächlich zu sein, dass das, was diese Ausstellung vermittelt und erzählt, Lücken in der Kunstgeschichts- und Geschichtsschreibung füllt. Das gelingt, weil sie überraschende Fakten präsentiert und Bezüge zwischen zeitgleich ablaufenden Entwicklungen herstellt. Am Ende sieht man – und da passt die Metapher aus dem Textilbereich – wie viele unterschiedliche, im Verlauf eines halben Jahrhunderts miteinander verwobene Fäden, aus der Distanz betrachtet ein Bild ergeben.

Schon der Anfangsbefund war für viele, auch Experten und Kunstfreunde, überraschend: Mehr als zwanzig Bauhaus-Lehrer und –Absolventen waren in Krefeld tätig gewesen, einige sogar jahrzehntelang. Das war schon dem berühmten Oskar Schlemmer aufgefallen, als er bei einem Krefeld-Besuch viele alte Kollegen und ehemalige Studenten traf. Seine schriftlich überlieferte Beobachtung war der Ausgangspunkt für ein von Projekt MIK angestoßenes und von der Gerda-Henkel-Stiftung unterstütztes Forschungsprojekt, das rund zwei Jahre dauerte. Es führte sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammen, die in enger Abstimmung und kontinuierlichem Austausch einzelne Teilaspekte bearbeiteten. Ihre Untersuchungsergebnisse waren nicht nur die Basis für die Ausstellung über das Leben und Wirken der Bauhäusler in Krefeld und auch für die in der Ausstellung gezeigten Dokumentarfilme.

Die Forschungsergebnisse sind auch in einem Buch festgehalten. Es ist 422 Seiten stark und enthält neben sechs ausführlichen Aufsätzen über die Arbeit von Bauhäuslern für die vor allem in Krefeld beheimatete Seidenindustrie die Biographien der Künstler, die mit Krefeld in Verbindung standen und zahlreiche, bisher nicht veröffentlichte Fotografien. Das Buch liefert einen neuen Beitrag zur Wirkungsgeschichte des Bauhaus und ermöglicht einen Einblick in ein unbekanntes Kapitel der Kunst- und Wirtschaftsgeschichte Krefelds.

„Bauhaus und Textilindustrie. Architektur – Design – Lehre“, Hrsg. v. Christiane Lange  u. Anke Blümm, 422 Seiten, Prestel-Verlag, 49 Euro. Mit Beiträgen von Dr. Julia Franke, Dr. Anke Blümm, Christiane Lange, Dr. Christopher Oestereich, Dr. Stefanie van de Kerkhof, Dr. Stephan Strauss und Dr. Carina Burk


Projekt MIK e.V.
Bismarckplatz 35
47799 Krefeld
info(at)projektmik.com