map 2019

bauhaus network krefeld

2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum hundertsten Mal. Dieses Jubiläum wird in Deutschland als nationales Kulturereignis vom Bauhaus-Verbund 2019 mit Museumsneubauten, Ausstellungen und zahl­reichen Veranstaltungen in 12 Bundesländern gefeiert und von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Der NRW-Beitrag zum Jubiläum: map 2019 Bauhaus Netzwerk Krefeld
Das Land Nordrhein-Westfalen ist 2015 dem Bauhaus-Verbund 2019 beigetreten. Es steuert zu den Jubiläumsaktivitäten das von Projekt MIK e.V. konzipierte Veranstaltungsvorhaben map 2019 Bauhaus Netzwerk Krefeld bei. Dieses Forschungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt realisiert Projekt MIK e.V. in Kooperation mit dem Land NRW und der Stadt Krefeld.

map 2019 ist darüber hinaus Teil der Krefelder Initiative ›Krefelder Perspektivwechsel: Eine neue Sicht auf Samt und Seide‹. Diese auf die Bildung einer Stadt­identität abzielende Veranstaltungsreihe des Stadtmarketings stellt im Rhythmus von zwei Jahren verschiedene Themen in den Fokus: Neue Blickwinkel auf Samt und Seide (2015); Innovation und Design (2017); Architektur der Moderne (2019); zeitgenössische Kulturarbeit (2021). 2023 mündet die Reihe in das Stadtjubiläum ›650 Jahre Krefeld‹.

Der Ort: ›Pavillon‹ von Thomas Schütte
Alle Aktivitäten von map 2019 finden an einem besonderen Ort statt, der für das Jubiläum geschaffen wird: In der Skulptur ›Pavillon‹ des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte. Es ist ein skulpturaler Raum, ein begehbares Kunstwerk in der Nähe von Haus Lange und Haus Esters. Dieser Ort wird der Nukleus von map 2019 sein.

Diese Entscheidung fiel sehr bewusst. Sie ist als Würdigung der bildenden Kunst zu verstehen, welche die Entwicklung des Bauhauses ermöglichte und als entscheidender Impulsgeber ebenso das Denken und Wahrnehmen
der Krefelder Akteure prägte, die der Avantgarde in Krefeld ein Forum schufen. Und sie ist als bewusste Irritation zu deuten, um der Klischee-besetzten Vereinnahmung des Bauhauses entgegenzutreten.

Das Projekt

Forschen: Bauhaus und die Moderne in Krefeld
Die Geschichte der Verbindungen zwischen dem Bauhaus und der Stadt Krefeld, ihrer Industrie und ihren Bürgern ist noch nicht geschrieben. map 2019 startet deshalb 2017 mit einem einjährigen Forschungsprojekt. Vier Wissenschaftler widmen sich dem komplexen Netzwerk aus über 30 Bauhäuslern (Künstlern, Designern und Architekten), zahlreichen Fabrikanten, Verbänden und Institutionen, deren Zusammenwirken Krefeld zu einem besonderen Kulminationspunkt in der Entwicklung der Moderne in Deutschland machte. Die Vorläufer und Hintergründe dieser Entwicklung werden erforscht, auch die Ausläufer, die zum Beispiel bei der Gründung der Werkkunstschule oder dem Bau der Textilingenieurschule (Architekt Bernhard Pfau) bis in die 1960er-Jahre sichtbar bleiben. Dabei werden nicht nur kulturhistorische Fragen behandelt, sondern ebenso Teile der Industrie- und Institutionengeschichte der Stadt. Ist die vom Bauhaus ausgehende Avantgarde tatsächlich in Krefeld angekommen? Welche Entwicklung nahm die Idee ›Bauhaus‹ unter den realen Arbeitsbedingungen der Industrie und in der Lehre? Welche Impulse erhielten die Stadt, die Industrie, aber auch die Kunstszene durch die Bauhäusler?

Kartografieren: Die Vermessung der Stadt
Die Szene der Bauhäusler, Fabrikanten, Institutionen und Unternehmen hat in Krefeld Spuren hinterlassen, die nun wieder entdeckt werden. Der Name des Projekts ›map 2019‹ leitet sich vom englischen Begriff ›mapping‹ ab und bedeutet ›Karte‹ und ›kartografieren‹. map 2019 kartografiert die moderne Bewegung in Krefeld. Die Stadt selbst wird zur Ausstellung. In die Gebäude der Stadt, in ihre Orte und Plätze ist die Geschichte der Moderne in Krefeld eingeschrieben. Diese Orte, die agierenden Personen und Institutionen und das sie verbindende Netzwerk im Stadtbild sichtbar zu machen, ist das Ziel eines interaktiven Architekturführers, der Architektur als Ausgangspunkt von kultur-, gesellschafts- und industriegeschichtlichen Erzählungen versteht. Er wird Informationen zu zahlreichen Orten in Krefeld bereitstellen und Architekturpfade mit thematischen oder räumlichen Schwerpunkten anbieten.

Finden: Vom Kaiser Wilhelm Museum zu den Häusern Lange und Esters
Einer der Architekturpfade hat auch eine ganz praktische Aufgabe, nämlich eine Wegverbindung mit attraktiven und interessanten Stationen zwischen den zwei Standorten der Kunstmuseen Krefeld herzustellen: dem Kaiser Wilhelm Museum in der Stadtmitte und den Häusern von Mies an der Wilhelmshofallee. Zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto. Der Weg ist das Ziel.

Ausstellen und Denken
2019 sollen die Ergebnisse der Spurensuche zur Moderne in Krefeld in einer dokumentarischen Ausstellung vorgestellt werden und zu Überlegungen anregen, die unsere Gegenwart betreffen. Historische Forschung ist immer von den aktuellen Fragen der Gegenwart beeinflusst. So ist auch die Betrachtung des Bauhauses als Netzwerk und Community, die unserer Forschung zugrunde liegt, von der aktuellen Bedeutung des Netzwerks im digitalen Zeitalter geprägt.

Ziele und Aufgaben

Mit der Erforschung der Krefelder Beziehungen zum Bauhaus und des Wirkens ehemaliger Bauhäusler in Krefeld wird ein Kapitel der lokalen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte neu geschrieben, das bislang nur rudimentär und in Einzel­aspekten bekannt war. Es erlaubt, bestimmte Traditionsstränge über die nun neu aufgedeckten personellen und intellektuellen Kontinuitäten zu verknüpfen und damit die Bedeutung vieler Institutionen (Hoch- und Fachschulen, Museum, Industrieverbände u. a.) neu zu bewerten. Die Stadt mit ihren Einrichtungen und Unternehmen erscheint in einem neuen Licht. Krefeld rückt damit als Schauplatz der kulturellen Moderne auch überregional in den Fokus des kulturellen und wissenschaftlichen Fachpublikums. Aber auch die Krefelder selbst können ihre Stadt neu sehen lernen und erleben, wie kulturelle Grundsteine, die in den 1920er-Jahren gelegt wurden, über viele Jahrzehnte eine Basis für ein Netzwerk bilden, über Nazi-Diktatur und Zweiten Weltkrieg hinweg Folgen zeigen. Identitätsstiftung ist nicht die Aufgabe der Wissenschaft, aber die Auseinandersetzung einer Stadtbevölkerung mit den nun freigelegten kulturellen Traditionssträngen der kulturellen Moderne kann durchaus zu einem neuen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein führen. Damit ist im besten Fall auch eine neue Sicht auf die Stadt von heute, auf ihre Potenziale und ihre Ausstrahlung verbunden.

Deshalb ist es wichtig, an den Erkenntnissen und Erfahrungen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Bauhaus-Geschichte Krefelds ergeben, möglichst Viele teilhaben zu lassen. Was im Zuge von map 2019 erforscht wird, geschieht nicht nur in enger Verzahnung mit der überregionalen und internationalen Bauhaus-Forschung. Es wird auch in Kooperationen mit Schulen und Hochschulen in Krefeld seinen Niederschlag finden. Interessierte Laien und Heimatforscher sind eingeladen, sich über alle Aktivitäten des Projekts auf dem Laufenden zu halten, indem sie die Internetauftritte zum Bauhaus-Jubiläum besuchen und an dem Veranstaltungsprogramm zum Thema teilnehmen.

Im Jahr 2019, wenn das eigentliche Bauhaus-Jubiläum in ganz Deutschland gefeiert wird, werden die neuen Forschungsergebnisse und viele Tipps, die Geschichte der Moderne in Krefeld neu zu entdecken, in einer Präsentation im Schütte-Pavillon dargestellt werden. Er ist Anlauf- und Ausgangspunkt für alle, die sich über Krefeld und das Bauhaus informieren wollen. Der Pavillon dient auch als Besucherzentrum für alle auswärtigen Kulturtouristen und Reisegruppen, die sich dann auf den Spuren von Mies van der Rohe, Itten, Muche und anderen Bauhäuslern durch Krefeld bewegen wollen. Für das Fachpublikum (Architekten, Kunsthistoriker, Künstler, auswärtige Studierende und Schüler) wird es – wie schon bei dem Golfclub Projekt MIES 1:1 – spezielle Angebote geben.

Alle neuen Erkenntnisse und Aktivitäten sowie alle Veranstaltungen und schließlich Bau und Inbetriebnahme des Schütte-Pavillons werden durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet und begleitet, sodass
map 2019 seinen Niederschlag in den lokalen und nationalen Medien, in der Fachpresse und auf den einschlägigen Portalen im Internet findet. Langfristig wird dies auch in der Außenwirkung der Stadt Krefeld einen Imagewandel befördern und sei es nur, dass – wenn von der Seidenstadt die Rede ist – nicht immer nur auf die wenigen Seidenbarone des 17. Jahrhunderts geschaut wird, sondern auch auf die Leistungen der Kultur und Industrie einer Stadt im 20. Jahrhundert.

Projekt MIK e.V.
Bismarckplatz 35
47799 Krefeld
info(at)projektmik.com