25.06.2019

Erstes Konzert im Krefeld Pavillon: CRUSH.haus.100

Bewährungsprobe als Kammermusiksaal bestanden: Ein spannendes Konzert an einem schönen Sommerabend zeigte, dass Thomas Schüttes Krefeld Pavillon im Kaiserpark, Krefeld, auch als Klangkörper taugt. Unter der Künstlerischen Leitung des Komponisten Peter Gahn spielte das Ensemble Crush, eine Gruppe von Musikern aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet, die sich vor allem der modernen und zeitgenössischen Musik widmen: Karin Nakayama (Violine), Pia Marei Hauser (Flöte), Marin Petrov (Klavier), Lukas Tobiassen (Elektronik, Komposition), Kyusang Jeong (Klarinette), Andrei Simion (Cello) und Slavi Grigorov (Akkordeon).

Das abwechslungsreiche Programm war von Peter Gahn zusammen mit dem Ensemble auf den Ort (Krefeld Pavillon) und den Anlass der Ausstellung darin (Hundert Jahre Bauhaus) zugeschnitten worden. Es reichte von 100 Jahre alten Klavierstücken des Wiener Komponisten Josef Matthias Hauer, der stark von dem Bauhaus-Künstler und Farbtheoretiker Johannes Itten beeinflusst war, bis zu der eigens für den Krefeld Pavillon aktuell geschaffenen Neukompositionen „Grümeln“ (Sebastian R.A. Wendt) und „Color.Form.Tone“ (Duoni Liu), deren Uraufführung die Besucher erleben durften. Der Komponist und die Komponistin waren beide auch selbst anwesend.

Von den Klavierstücken von Hauer, gespielt von Marin Petrov, ging es zu einem Ensemble-Stück des Bach-Bearbeiters Feruccio Busoni – ebenfalls ein Bauhaus-Zeitgenosse – und drei Stücken für Klarinette von Strawinsky, vorgetragen von Kyusang Jeong. Wegen seiner Bezüge zur Architektur gerade im Bauhaus-Jubiläumsjahr interessant war ein zentrales Werk der musikalischen Nachkriegs-Avantgarde, „Concret PH“ für Elektronik von Yannis Xenakis. Der griechische Komponist war eigentlich Ingenieur und einige Jahre Mitarbeiter von Le Corbusier. Zusammen schufen sie den spektakulären Pavillon, mit dem sich das niederländische Elektronik-Unternehmen Philips 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel präsentierte, eine Art früher Multimedia-Raum. Dort wurde „Concret PH“ von Xenakis uraufgeführt – ein Stück, das ohne herkömmliche Instrumente auskommt.

Im Publikum im Krefeld Pavillon saß ein Mann, der einen persönlichen Bezug zu dem Klassiker der elektronischen Musik hat: der seit seiner Kindheit in Krefeld lebende Maler Jan Kalff. Sein Großvater Louis C. Kalff war als Leitender Produktdesigner und Architekt beim niederländischen Philips-Konzern zuständig für den Ausstellungspavillon in Brüssel und hat in dieser Funktion das Gesamtkunstwerk von Le Corbusier und Yannis Xenakis 1958 ermöglicht.

Das Konzert „CHRUSH.haus.100“ wird 1. September noch einmal wiederholt, dann in Duisburg.

www.ensemble-crush.com

(hd)


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