24.07.2018

Hubert Griemert (1905–1999)

Nach Krefeld kamen ab den 20er Jahren nicht nur Lehrer und Absolventen des Bauhaus. Auch aus dem engeren oder weiteren Bauhaus-Umfeld kamen Gestalter nach Krefeld. Einer von ihnen war Hubert Griemert, der von 1950 bis 1954 an der Werkkunstschule die Keramik-Abteilung leitete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es das Bestreben, der neuen, nach dem Bauhaus-Vorbild organisierten Werkkunstschule auch eine neue, am Charakter der Region orientierte Ausrichtung zu geben. Weil am Niederrhein das Töpferhandwerk („Pottbäckerei“) eine lange und auch eindrucksvolle Tradition hat, wurde 1949 dem Fächerangebot der ehemaligen Meister- und Handwerkerschule eine Keramikabteilung hinzugefügt. Zunächst übernahm der angesehene Keramiker Paul Dresler („Grotenburg-Töpferei“, Krefeld) die neue Abteilung, doch sein baldiger Tod machte die Neubesetzung der Leitungsposition schon im Folgejahr nötig.

Nachfolger von Paul Dresler

Mit Hubert Griemert kam nun ein Keramiker nach Krefeld, der mit ehemaligen Bauhauskräften intensive Erfahrungen hatte machen können. Seine Lehrzeit als Töpfer und Ofensetzer hatte er 1930 bis 1932 in Halle an der Saale absolviert, auf der Burg Giebichenstein, damals wie heute eine der angesehensten Designer- und Handwerkerschulen. Griemerts Lehrmeister war der ehemalige Bauhaus-Schüler Franz Rudolf Wildenhain gewesen, die Abteilungsleiterin in Halle die Bauhäuslerin Marguerite Friedländer und der Schulleiter war der Bauhäusler Gerhard Marcks. Von Marcks hatte Griemert zunächst die Stelle als Fachlehrer für Töpfern übernommen.

Von Bauhäuslern ausgebildet

Ganz im Bauhaus-Sinn hatte Griemert Anfang der 1940er Jahre ein Konzept entwickelt für die Ausbildung von Keramik-Gestaltern auch für die industrielle Produktion, nicht mehr nur ausschließlich fürs Handwerk. Damit kam er 1950 nach Krefeld. Der Direktor der Werkkunstschule, Friedrich G. Winter, wählte Griemert mit Bedacht aus, denn sein Plan war, aus der ehemaligen Handwerkerschule nun eine Ausbildungsstätte auch für Industriegestalter zu machen.

Nur vier Jahre in Krefeld

Hubert Griemert blieb zwar nur vier Jahre in Krefeld, aber er konnte die Grundlagen für eine stärkere Berücksichtigung industrieller Aspekte in der Keramikgestaltung legen. 1954 wechselte er an die Staatliche Werkschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen, um dort die neu eingerichtete Meisterklasse zu übernehmen. Hier wirkte er bis zu seiner Pensionierung 1970.

Griemert zählt heute zu den herausragenden Keramikern der Nachkriegszeit mit zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungsbeteiligungen und Auszeichnungen, unter anderem als erster Träger des Ehrenpreises Deutsche Keramik.


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