16.06.2018

Max Peiffer Watenphul (1896 – 1976)

„Die Tage in Weimar waren jedenfalls immer bunt, bewegt und nie langweilig“, meinte der Maler Max Peiffer Watenphul rückblickend über seine Zeit am Bauhaus in Weimar. Zwei Jahre lang arbeitete er später, während des Zweiten Weltkriegs, in Krefeld als Mal- und Zeichenlehrer für angehende Textilgestalter . Er zählt sicher zu den bedeutenderen Künstlern unter den Lehrkräften an den Krefelder Kunstschulen. Viele seiner Bilder sind in den Sammlungen der großen deutschen Museen, Werke von Max Peiffer Watenphul tauchen regelmäßig in Galerien und auf Auktionen auf, erzielen allerdings – verglichen mit Werken anderer Vertreter der Klassischen Moderne – eher bescheidene Preise.

Max Peiffer Watenphul zählt zu den frühen Bauhaus-Schülern. Er war in mancherlei Hinsicht eine außergewöhnliche Erscheinung: ein promovierter Jurist, der unbedingt Künstler werden wollte. Statt das Referendariat zu beenden, bemühte er sich um Kontakte zur Münchner Künstlerszene, knüpfte freundschaftliche Kontakte etwa zu Paul Klee, dessen Frau den angehenden Maler dann auf die neue Schule in Weimar aufmerksam machte – und auf Johannes Itten, der dort lehrte.

In Weimar

Im Januar 1920 kam Max Peiffer Watenphul ans Bauhaus und besuchte zunächst Ittens Vorkurs. Aufgrund seiner künstlerischen Eigenständigkeit räumte ihm Walter Gropius als Schuldirektor nicht nur das Recht ein, bei allen Meistern als Gasthörer zu hospitieren (er besuchte vor allem die Weberei und die Töpferei) – Peiffer Watenphul erhielt zudem ein eigenes Atelier, was ungewöhnlich war. 1920 nahm ihn der Galerist Alfred Flechtheim unter Vertrag, Ausstellungen und Verkäufe an Sammler erbrachten Peiffer Watenphul die Mittel, erste Auslandsreisen zu unternehmen: nach Österreich, Mexiko, Frankreich und vor allem Italien, in das er in den nächsten Jahrzehnten immer wieder reisen wird und das ihm schließlich auch Lebensmittelpunkt werden wird. Überhaupt blieb Peiffer Watenphul immer ein Reisender.

Folkwangschule Essen

Aus Geldmangel nahm er 1927 eine Stelle als Lehrer an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Essen an. Diese hatte gerade den Namenszusatz „Folkwangschule“ angenommen und nun mit Peiffer Watenphul, Grete Willers und Max Burchartz drei Gestalter aus dem Bauhaus-Umfeld im Lehrerkollegium. Peiffer Watenphul übernahm die Vorlehre für die Fachrichtung „Kunstgewerblicher Entwurf, Emaille und Stickerei“. In Essen beschäftigte er sich auch intensiv mit der Fotografie. 1931 verließ er die Folkwangschule und ging nach Rom, nachdem er ein Stipendium für einen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom zugesprochen bekommen hatte. Italien war bereits und wurde mehr und mehr seine große Passion.

Schuldienst statt Kriegsdienst

Weil auch seine Kunst als „entartet“ diffamiert wurde und der Maler zunehmend unter Druck geriet, hielt er sich seit 1937 ständig in Italien auf. 1941 erhielt er dort die Einberufung zur Wehrmacht, entging dem Kriegsdienst aber durch einen Lehrauftrag an der Textilfachschule in Krefeld. Dies kam auch durch die Vermittlung von Georg Muche zustande. Peiffer Watenphul lehrte hier Zeichnen und Malerei für die Schülerinnen und Schüler der Meisterklasse für Textilkunst und der Klasse für künstlerische Web- und Druckgestaltung. Es war eine Beschäftigung, die ihm offenbar nicht schlecht gefiel. An seinen ehemaligen Lehrer am Bauhaus, Johannes Itten, schrieb der Maler 1947 in einem Brief:

„Man hatte einen solchen Mangel an Menschen, daß man sogar auf »Entartete« zurückgriff. Ich übernahm dort die Klasse für Druckentwurf. Die Arbeit fand ich wunderbar, und sie hätte wirklich vollkommen sein können. Ich hatte in gewisser Weise Ihre Nachfolge angetreten: hatte Ihr Atelier und bewohnte Ihre Wohnung in der Steinstraße. Dann kamen die sehr üblen Bombenangriffe.“

Nachdem die Webeschule im Sommer 1943 durch Luftangriffe erheblich beschädigt, auch Peiffer Watenphuls Atelier zerstört und der Unterricht teilweise eingeschränkt wurde, wechselte er an die Kunstgewerbeschule Salzburg. Mit Georg Muche hatte Peiffer Watenphul „sehr hässliche Erfahrung machen müssen“, wie er Jahre später an den ehemaligen Bauhaus-Kollegen Josef Albers schrieb. Inwiefern diese dazu beitrugen, Krefeld zu verlassen, muss jedoch offen bleiben.

Venedig und Salzburg

Ende 1946 musste Peiffer Watenphul Salzburg verlassen, da er als Deutscher in Österreich keine Aufenthaltsgenehmigung erhielt. Er ging zunächst nach Venedig, wo seine Schwester lebte. Dort entstanden seine manchmal düsteren Bilder von den maroden Palazzi, die heute zu den bekanntesten Werken des Malers gehören. Seit Anfang der 1950er Jahre kehrte er immer wieder nach Salzburg zurück. Dort wurde er Mitte der 1960er Jahre Lehrer an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst, an der er nun jährlich für drei Monate tätig war. Seit 1958 lebte Peiffer Watenphul vornehmlich in Rom, wo er ein eigenes Atelier erworben hatte.

In Krefeld fast vergessen

Peiffer Watenphul war seit 1920 Mitglied der Künstlergruppe „Das junge Rheinland“ in Düsseldorf, seit 1965 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. 1964 erhielt er den Ring der Stadt Salzburg, 1969 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. In Krefeld ist sein Werk nie ausgestellt worden.

(co/hd)


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