Ludwig Mies van der Rohe

Golfclub Projekt

Wettbewerbsentwurf für den Krefelder Golfclub, 1930, nicht realisiert

Im August 1930 wird Mies vom Vorstand des neu gegründeten Krefelder Golfclubs eingeladen, gemeinsam mit dem Krefelder Architekten August Biebricher an einem kleinen Wettbewerb für ein Clubhaus teilzunehmen. Die Realisierung der Platzanlage auf einem eiszeitlichen Sander am Stadtrand von Krefeld nach den Plänen der „Vereinigten Golfarchitekten“ Charles A. Mackenzie, F. G. Fahrenholtz und Karl Hoffmann hat bereits begonnen. Mies konzipiert eine flache, weit in die Landschaft greifende Anlage auf der Kuppe des Sanders.

Die Ausschreibung fordert eine Clubanlage mit Umkleiden, Räumen für Trainer und Caddys sowie einen Gesellschaftsbereich mit Bar, Gastronomie und einem Saal einschließlich halb überdachter Terrasse.

Zwei Lösungsansätze sind im Nachlass Mies van der Rohes in New York überliefert.

Der eine, nur als Skizzen formulierte Entwurf sieht vor, die Clubräume zentral unter der Kuppe des Hügels zu platzieren, mit weiten Fensteröffnungen im Hang. Ein Glaspavillon, der möglicherweise mit den unterirdischen Räumen verbunden sein sollte, krönt die utopisch anmutende Anlage. Ob es sich bei diesem Entwurf um eine ernsthafte Alternative handelt oder um eine Spielerei des Mies-Mitarbeiters Sergius Ruegenberg, dem einige der Skizzen zugeschrieben werden, bleibt Spekulation.

Im so genannten „endgültigen Entwurf“ organisiert Mies die verschiedenen Bereiche als einzelne Baukörper, die kreuzförmig in die Landschaft greifen und durch ein alles überspannendes Dach zusammengefügt werden. Der Entwurf ist als Stahlskelettbau mit nicht tragenden Wänden konzipiert. Im weitläufigen, nach Südwesten ausgerichteten Gesellschaftsbereich wird das Raster der Stahlstützen pointiert mit chromblechummantelten kreuzförmigen Säulen sichtbar gehalten, ähnlich den Entwürfen für Haus Tugendhat und dem Barcelona-Pavillon. Der Wirtschafts- und Trainerbereich ist kleinteiliger angelegt, das Säulenraster ist nicht sichtbar. Der Entwurf für den Golfclub führt Mies van der Rohes ausgereiftes Formrepertoire vor, das er nach den Entwürfen für die Weltausstellung in Barcelona und das Haus Tugendhat souverän einsetzt.

Der Wettbewerb wird nicht entschieden, da der Club die notwendigen finanziellen Mittel nicht aufbringen kann. Er mietet stattdessen als Clubhaus eine leer stehende Villa in der Nähe der Anlage. Der Golfplatz wird im Mai 1931 mit neun Löchern eröffnet und in den kommenden Monaten auf 18 Löcher erweitert. 1938 muss er einem Truppenübungsplatz weichen.

Christiane Lange, 2011

©Thomas Szabo, Krefeld
für alle computergenerierten Bilder des Golfclubhaus-Entwurfs
von Mies van der Rohe
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