Moderne in Krefeld
Wohnhäuser für Hermann Lange und Josef Esters

Haus Lange und Haus Esters, 1927–1930

Das heute als Museen Haus Lange und Haus Esters bekannte Villenensemble wird 1927 von den Gründern der Vereinigten Seidenwebereien AG Hermann Lange (1874–1942) und Josef Esters (1886–1969) in Auftrag gegeben. Im Frühjahr 1930 stellt Mies die privaten Wohnhäuser fertig, die nicht nur die Familien der Auftraggeber beherbergen, sondern im Fall von Hermann Lange auch seine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst. Die Wahl des Architekten hatte Hermann Lange getroffen. Mies und Lange sind sich vermutlich im Umfeld der Avantgardekunst und des Deutschen Werkbundes begegnet.

Die ersten Entwürfe entstehen im Sommer 1927. Sie schließen an die Konzeption vom gerade fertig gestellten Haus Wolf in Guben an. Während Mies seine Idee des offenen, fließenden Grundrisses in den Krefelder Häusern nur eingeschränkt verwirklichen kann, stellen die deckenhohen Fenster im Haus Lange eine Weiterentwicklung dar, die mit der Glasfront von Haus Tugendhat ihre Vollendung findet. Alle südlich orientierten Fenster des Hauses sind als ungeteilte Glasflächen ausgebildet, die bis auf eine geringe Brüstungshöhe im Boden versenkt werden können. Die Trennung von Innen- und Außenraum wird vorübergehend aufgelöst.

Der Planungsauftrag an den Architekten schließt die Konzeption aller Wirtschaftsbereiche (Küche, Dunkelkammer, Bäder) ein sowie im Fall von Haus Esters auch die Anlage des Gartens. Sie wurde vermutlich für Haus Lange übernommen und um ein Gewächshaus ergänzt.

In der Inneneinrichtung beider Häuser dominieren eingebaute Möbel. Alle Regale und Schränke von der Küche bis zum Zimmer der Dame sind teilweise oder vollständig in die Wand eingelassen, um die ebenmäßige Entwicklung der Fläche nicht zu stören. Bei den Esszimmermöbeln beider Häuser wiederholt Mies einen Stuhlentwurf und Tischtypus, den er bereits im Haus Wolf und in seinem eigenen Appartement in Berlin verwendet hatte. Für das Zimmer der Dame im Haus Lange entwickelt Mies eine Einrichtung aus Schreibtisch, Sofa, Teetisch und Wandbord.
Möblierungsentwürfe für die Hallen der Häuser von Mies in Zusammenarbeit mit seiner Partnerin Lilly Reich aus dem Jahr 1930 werden nicht realisiert.

Seit 1955 wird Haus Lange als Museum für zeitgenössische Kunst genutzt. 1968 geht es als Schenkung in den Besitz der Stadt Krefeld über, 1978 folgt Haus Esters. Beide Häuser sind heute Teil der Kunstmuseen Krefeld.

Christiane Lange, 2011

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