Walter Gropius, Bauhaus-Gebäude Dessau, 1925–1926, Zustand 2015 (Foto: Projekt MIK e.V.)
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Bauhaus

Das ›Bauhaus‹ ist auch heute noch ein gängiger Begriff. Seit vielen Jahren steht ›Bauhaus‹ für die ›Moderne‹, für Architektur mit kubischen Formen und Flachdach, für ›zeitloses Design‹ und ›geschmackvolle Wohnkultur‹. Bis heute produzierte Einrich­tungs­­­­gegenstände wie die Stühle von Marcel Breuer, die Sessel von Ludwig Mies van der Rohe oder die Lampe von Wilhelm Wagenfeld stehen in vielen bürgerlichen Haushalten. Weltweit ist das ›Bauhaus‹ ein Gütesiegel für gute Form. Sogar in China widmet man dem Bauhaus ein eigenes Museum und organisiert internationale Forschertreffen um dem Geheimnis seiner Kreativität auf die Spur zu kommen.

Aber was ist das Bauhaus? Im Grunde nicht mehr als eine Schule für Gestaltung, die der Architekt Walter Gropius 1919 in Weimar gründete. Mit Künstlern wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger und Johannes Itten schuf er ein Ausbildungsinstitut, das einer neuen Idee von Kreativität folgte. Nicht mehr Kopie und Studium alter Vorbilder, sondern die Suche nach eigenen Fähigkeiten und einer neuen Formensprache stand im Vordergrund. Dieses Ziel verfolgten auch andere Schulen, nachdem die Reformbewegung um 1900 und der 1907 gegründete Deutsche Werkbund den Weg geebnet hatten. Aber keiner setzte sie auf vergleichbarem Niveau und mit ähnlicher Konsequenz um wie Walter Gropius.

In Werkstätten lernten die Stu­dierenden durch die praktische Auseinandersetzung mit den Materialien. Weberei, Metallwerkstatt, Holzbau, Keramikwerkstatt, Bühnenbild, Wandgestaltung und weitere Abteilungen entstanden im Laufe der Zeit. Während der ersten Jahre stand noch das aus dem Mittelalter stammende Ideal der Bauhütte im Vordergrund, bei der Gestaltung und handwerkliche Ausführung eines Werkstücks in einer Hand liegen. Doch bereits 1923 verlagerte sich der Fokus auf die industrielle Produktion. Früh suchte das Bauhaus Kontakte zur Industrie. So entstanden Kollektionen wie zum Beispiel die bis heute produzierten Bauhaus-Tapeten.

Die Architektur wurde erst 1927 Teil der Ausbildung. Unter dem Direktor Hannes Meyer, der Gropius ablöste, und vor allem durch Ludwig Mies van der Rohe, dem letzten Leiter des Bauhauses, gewann sie schließlich die Bedeutung, die man ihr heute im Kontext des Bauhauses zuschreibt.

Das Bauhaus existierte nur 14 Jahre. Aber in dieser kurzen Zeitspanne war es von solcher Strahlkraft, dass es Studierende aus der ganzen Welt anzog. Das Leben an der Schule war unkonventionell: Man duzte sich, Frauen trugen Hosen und Kurzhaar­frisuren und die legendären Bauhausfeste ließen das konservative Bürgertum das Schlimmste befürchten. Der erstarkenden nationalistischen Rechten wurde das Bauhaus schnell suspekt.

Zwei Mal wechselte das Bauhaus aus politischen Gründen seinen Standort. 1925 verließ es Weimar auf Druck der mittlerweile nationalsozialistisch dominierten Regierung. Mehrere Städte bewarben sich als neuer Standort, darunter auch Krefeld. Dank des Engagements des Industriellen und Erfinders Hugo Junkers gelangte das Bauhaus nach Dessau. Dort erhielt es mit dem von Walter Gropius entworfenen und heute weltbekannten Schulgebäude und den Meisterhäusern seine ikonische Form. Aber auch dort änderten sich die politischen Mehrheiten. 1932 entzog der Stadtrat der Schule die finanzielle Grundlage. Mies van der Rohe, Direktor seit 1930, übernahm die Schule als privates Institut und siedelte gemeinsam mit Meistern und Studierenden in eine ehemalige Telefonfabrik nach Berlin über.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 besiegelte schließlich das Ende des Bauhauses in Deutschland. Aber nicht das Ende seiner Idee: Schon vor 1933 waren weitere Ausbildungsinstitute von ehema­ligen Bauhaus-Lehrern nach seinem Vorbild entstanden. Etwa in Krefeld: Die Seidenindustrie berief 1931 Johannes Itten als Leiter der neu gegründeten Flächenkunstschule nach Krefeld. Weitere Bauhäusler folgten ihm an den Niederrhein. Nach 1933 entstanden neben dem berühmten New Bauhaus in Chicago weltweit vielfältige Ableger, etwa in Russland, Indien und Israel. 1938 widmete das Museum of Modern Art in New York dem Bauhaus die erste Ausstellung, zusammengestellt von Walter Gropius und gestaltet vom erfolgreichsten Grafikdesigner der Schule, Herbert Bayer. Diese Ausstellung stärkte den bereits existierenden Mythos Bauhaus.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Strahlkraft der Ideen und der Ästhetik des Bauhauses international ungebrochen. Im geteilten und (im Westen) nun stark föderalistisch gegliederten Deutschland versuchten ehemalige Bauhäusler an vielen Orten an die Vorkriegsmoderne anzuschließen. So flossen Ideen des Bauhauses in die Gründung neuer Fach- und Hochschulen ein. Bauhaus-Künstler und -Architekten, die im Exil gewesen waren und nun versuchten, in Deutschland Fuß zu fassen, hatten es allerdings im tendenziell konservativen kulturpolitischen Milieu der 1950er-Jahre schwer gegen die Konkurrenz der gut vernetzten Berufskollegen, die auch während der nationalsozialistischen Diktatur erfolgreich gearbeitet hatten.

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