Rheinische Wunder

Wie die Nachkriegskunst

in die Museen gelangte

Eine Ausstellung mit Dokumentarfilm von Helge Drafz und Christiane Lange
im Krefeld Pavillon von Thomas Schütte Krefeld, Wilhelmshofallee Ecke Kaiserstraße
12. September bis 31. Oktober 2021, Mi–So 12–18 Uhr

Eröffnung am 12. September 2021, 12 Uhr
mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Frank Meyer und einer Einführung
von Christiane Lange und Helge Drafz 

 

Rheinische Wunder – Wie die Nachkriegskunst in die Museen gelangte

Was in Krefeld gezeigt wurde, konnte man sonst nirgendwo in Deutschland sehen: Die  im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Industriestadt am Rhein, entwickelte sich ab Mitte der 50er-Jahre zum Wallfahrtsort für Freunde der zeitgenössischen Kunst. Yves Klein, Jean Tinguely, Alberto Burri, Arman, Robert Rauschenberg, Robert Indiana, Claes Oldenburg, die Gruppe ZERO, Hans Haacke, Franz Erhard Walter, Richard Long, Christo – die Liste der Namen ist lang – Künstler, die heute weltberühmt und als bahnbrechend in die Kunstgeschichte eingegangen sind. In Krefeld hatten sie ihre erste große Ausstellung in Deutschland. Und dazwischen, 1969 Harald Szeemanns programmatische Schau When Attitudes Become Form sowie zwei Klimaausstellungen, die heute erschreckend aktuell wirken. Die Bühne für all das: Haus Lange, ein ehemaliges Wohnhaus, 1928 erbaut von dem Architekten und Bauhausdirektor Ludwig Mies van der Rohe für den Seidenfabrikanten Hermann Lange, seit 1955 Ausstellungsort für aktuelle Kunst des Kaiser-Wilhelm-Museums. 

Paul Wember, 1947 bis 1975 Direktor des Krefelder Museums, war einer der ersten
in Deutschland, der die Türen seines Hauses weit für die Gegenwartskunst öffnete –
oft gegen den Widerstand der Politik und begleitet von Schmähungen der lokalen Presse und Bürgerprotesten aber gefeiert von den Freunden der westeuropäischen und amerikanischen Avantgardekunst.

Johannes Cladders, seit 1957 Mitarbeiter von Wember, entfachte als Museumsdirektor in Mönchengladbach ab 1967 ein ebenso hell leuchtendes Feuer der aktuellen
Kunst, mit Ausstellungen von Joseph Beuys, den Fluxus-Künstlern, Hanne Darboven und Lucio Fontana. Die Kunstavantgarde der Nachkriegsjahrzehnte fand im
Rheinland statt.

War es die Bilderfreude des rheinischen Katholizismus, oder eher der wirtschaftliche Aufstieg des Goldenen Westens nach 1945 der diese in der jungen BRD einmaligen Entwicklung  begünstigte? Oder einfach eine glückliche Fügung?

Historisches Filmmaterial, Zeitzeugen und Fachleute lassen diese Zeit in dem Dokumentarfilm „Rheinische Wunder. Wie die Nachkriegskunst in die Museen gelangte“ lebendig werden. Die Präsentation im Krefeld Pavillon von Thomas Schütte umfasst außerdem eine Ausstellung sowie historische Filmberichte und aktuelle Interviews zum Thema.

mit
Katia Baudin, Christo, Ulrich Erben, Gisela Fiedler-Bender, Walter Grasskamp, Julian Heynen, Maren Heyne, Magdalena Holzhey, Heinz Mack, Sylvia Martin, Ruth Müller, Klaus Polenz, Susanne Rennert, Susanne Titz Kamera
Bärbel Zibold, Etienne Hauser, Hermann Weitlaner Schnitt und Screen-Design
Julius Krenz

Archive
Kunstmuseen Krefeld, Stadtarchiv Krefeld,
Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach, Westdeutscher Rundfunk Filmarchiv, Yves Klein Archiv

Dank an
Cragg-Foundation – Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal Franz Marc Museum, Kochel am See
Museum Abteiberg, Mönchengladbach
Kunstmuseen Krefeld
Stadtwaldhaus Krefeld
Werthmann-Heyne-Stiftung, Düsseldorf