07.07.2018

Richard Zimmermann (1881 – 1956)

Er war Johannes Ittens schärfster Gegenspieler in Krefeld: Richard Zimmermann. Ein Maler alter Schule, noch ganz 19. Jahrhundert, malte Landschaften und Blumenstilleben in naturalistischer Manier. Zimmermann hatte Malerei an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart und der Kunstakademie in Königsberg studiert und sich dann in verschiedenen Städten als Künstler durchgeschlagen. 1907 kam Richard Zimmermann als Zeichenlehrer an die Krefelder Webeschule. An dieser Textilfachschule wurden bereits im 19. Jahrhundert Musterzeichner für die Textilindustrie ausgebildet. Von Anfang an erwies sich Richard Zimmermann nicht gerade als moderner Ausbilder für angehende Textilgestalter. Eigensinnig sträubte sich gegen die Anweisung der Schulleitung, sich fachlich weiterbilden zu lassen, obwohl er von industriellen Produktionsverfahren, Technik oder Materialien der Textilwirtschaft wenig verstand.

Protest gegen die neue Höhere Fachschule für textile Flächenkunst

Anfang der 1930er Jahre machte sich die im Raum Krefeld konzentrierte Seidenindustrie erhebliche Sorgen über ihre Exportfähigkeit. Man sah die Gefahr, mit altmodischen Dessins gegenüber der ausländischen Konkurrenz an Boden zu verlieren und initiierte neben der schon 1855 gegründeten Webeschule und der Färberei- und Appreturschule (1883) den Aufbau einer weiteren Schule speziell für die Gestalter-, also Designerausbildung. Die Höhere Fachschule für textile Flächenkunst – so der Name des neuen Instituts – sollte auf Wunsch der Textilindustrie vom ehemaligen Bauhausmeister Johannes Itten geleitet werden. Der hatte sich am Bauhaus in Weimar mit seinem experimentellen Vorkurs und seiner Farbtheorie einen Namen gemacht und leitete erfolgreich eine private eigene Fachschule für künstlerische Gestaltung in Berlin. Der Zeichenlehrer Richard Zimmermann protestierte gegen diese Personalie. Er schlug als Alternative vor, die Entwerfer-Ausbildung an der Webeschule weiter auszubauen. Doch Stadt und Industrie beharrten auf Itten und seiner neuen Flächenkunstschule. Dort sollte – so der Plan – Zimmermann dann als Lehrer arbeiten.

Niederlage im Konflikt mit Johannes Itten

Wie zuvor an der Webeschule war Zimmermann auch an der Flächenkunst-Schule nicht der zurückhaltende und alles hinnehmende Mitarbeiter. Der Lehrer fühlte sich bald durch den neuen Direktor Johannes Itten benachteiligt. Die Schülerschaft war gespalten, scharte sich zum Teil hinter Itten, zum Teil ergriff sie Partei für Zimmermann. Beide erhielten jeweils auch Unterstützung von Textilunternehmen in Krefeld und Umgebung. Es kam zum offenen Konflikt, der alsbald politisch gefärbt war. Die herrschenden Nationalsozialisten hatten Anhänger unter den Lehrern und Schülern. Schließlich erwies sich Johannes Ittens Position als stärker. Richard Zimmermann musste 1936 in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Aber schon 1938 erhielt er einen Lehrauftrag für Flächenkunst an der Meisterschule des deutschen Handwerks in Krefeld – der späteren Werkkunstschule. Dort blieb er den Zweiten Weltkrieg über bis zu seiner Pensionierung 1948. Richard Zimmermann starb 1956 in Krefeld. Seine Witwe, die ihn drei Jahrzehnte überlebte, vermachte seinen künstlerischen Nachlass der nordhessischen Stadt Braunfels.

Widerstand gegen Bauhaus-Ideen und neue Konzepte

Der Streit zwischen Johannes Itten und Richard Zimmermann offenbarte die Schwierigkeiten, neue pädagogische und gestalterische Ideen, wie sie Itten vom Bauhaus mitbrachte, in der Lehre praktisch umzusetzen. Bauhaus-Konzepte mögen als innovative Anstöße in Krefeld willkommen gewesen sein – aber sie trafen auch hier auf Widerstand in konservativen Kreisen.

(co/hd)


Projekt MIK e.V.
Bismarckplatz 35
47799 Krefeld
info(at)projektmik.com