24.07.2017

Vor 90 Jahren: Eröffnung der Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart (23. Juli – 9. Oktober 1927)

Das Feldgeschrei: „Rationalisierung und Typisierung“ und auch der Ruf nach der Wirtschaftlichkeit des Wohnbetriebes trifft nur Teilprobleme, die zwar sehr wichtig sind, aber nur dann eine wirkliche Bedeutung erlangen, wenn sie in der richtigen Proportion stehen. Neben oder besser über diesen steht das räumliche Problem, die Schaffung einer neuen Wohnung. Das ist ein geistiges Problem, das nur mit schöpferischer Kraft, nicht aber mit rechnerischen oder organischen Mitteln zu lösen ist. Ich habe darum darauf verzichtet, irgendwelche Richtlinien aufzustellen, sondern mich darauf beschränkt, solche Persönlichkeiten für die Mitarbeit auszusuchen, deren Arbeit interessante Beiträge zu der Frage der neuen Wohnung erwarten ließ. Die Ausstellung war von vornherein als Experiment gedacht und hat als solches ganz unabhängig von den erreichten Resultaten ihren Wert.

Ludwig Mies van der Rohe, Vorwort zu DIE FORM. ZEITSCHRIFT FÜR GESTALTENDE ARBEIT 9.1927, S. 257

 

Sie war ein Manifest der Moderne: Am 23. Juli 1927 wurde in Stuttgart die Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ eröffnet. In zwei großen Hallenkomplexen waren Pläne, Modelle, Dokumente und Ausstattungsentwürfe zu sehen. Doch die spektakuläre Attraktion der Schau war ihr dritter Standort: eine eigens errichtete Neubausiedlung auf einem Hügel am Stadtrand, die heute als eines der wichtigsten Beispiele des Neuen Bauens gilt: die Weißenhofsiedlung. Die 21 kubischen Flachdachhäuser mit insgesamt 63 Wohnungen wurden in nur 21 Wochen gebaut.

 

Sie war ein Manifest der Moderne: Am 23. Juli 1927 wurde in Stuttgart die Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ eröffnet. In zwei großen Hallenkomplexen waren Pläne, Modelle, Dokumente und Ausstattungsentwürfe zu sehen. Doch die spektakuläre Attraktion der Schau war ihr dritter Standort: eine eigens errichtete Neubausiedlung auf einem Hügel am Stadtrand, die heute als eines der wichtigsten Beispiele des Neuen Bauens gilt: die Weißenhofsiedlung. Die 21 kubischen Flachdachhäuser mit insgesamt 63 Wohnungen wurden in nur 21 Wochen gebaut.

 

 

 

 

 

 

Das Ziel der Werkbund-Ausstellung war, zeitgemäße Antworten auf die Frage „Wie wohnen?“ zu finden. Ausstellungsleiter Ludwig Mies van der Rohe hatte dafür die 17 „charakteristischsten Vertreter der modernen Bewegung“ aus fünf Ländern ausgewählt. Unter ihnen befanden sich neben Mies selbst:

  • strenge Funktionalisten wie der Dessauer Bauhausdirektor Walter Gropius und der Holländer Mart Stam
  • erfahrene Siedlungsarchitekten wie der Rotterdamer Stadtbaumeister J.J.P. Oud
  • Vertreter des Organischen Bauens wie Hans Scharoun
  • Altmeister der modernen Architektur wie Peter Behrens

 

 

 

Das Thema „Wohnen“ wurde in einem ganzheitlichen Programm von Gebäudeentwurf bis zur Innenarchitektur gestaltet. Mit flexiblen Grundrissen versuchten die Architekten, eine von Licht und Luft erfüllte Atmosphäre der Gesundheit zu schaffen. Ein Minimum an Form sollte ein Maximum an Freiheit gewährleisten. Die Architekten waren nicht nur für die Bauten, sondern auch für die Einrichtung der Räume verantwortlich. Die Werkbundausstellung von 1927 zeigte so exemplarisch den Gedanken einer ästhetischen Formgebung des gesamten alltäglichen Lebens.

Große Aufmerksamkeit erreichte Le Corbusier, der zwei „Wohnmaschinen“ baute. In seinem Doppelhaus lässt sich nach dem Vorbild eines Zugabteils das Wohnzimmer durch

 

Schiebewände und Schiebebetten in mehrere Schlafzimmer umwandeln. Seine beiden Häuser in der Weissenhofsiedlung gehören zusammen mit weiteren Bauten des weltberühmten Architekten zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit Oktober 2006 befindet sich das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier: Ein städtisches Museum, das vom Verein Freunde der Weissenhofsiedlung e.V. betrieben wird. In der einen Haushälfte ist eine Ausstellung zur Geschichte der gesamten Siedlung zu sehen, in der anderen Haushälfte kann das Haus Le Corbusiers im Zustand von 1927 besichtigt werden.

 

Abbildungen: Sonderheft der Werkbund-Zeitschrift DIE FORM 9 (1927)

 

(HD)


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