25.06.2018

Werner Schriefers (1926 – 2005)

„Nach etwa einem Jahr an der Meisterklasse zeigte ich ihm [Georg Muche] meine Ölbilder und er sagte mir, ich sei nun ein Maler. Diese Feststellung hat mich damals sehr stolz und glücklich gemacht. Hinsichtlich der pädagogischen Arbeit habe ich sehr viel von ihm übernommen.“ So erinnerte sich Werner Schriefers – einer der bedeutendsten Gestaltungspädagogen und -reformer der Zeit nach 1945 – an seinen Lehrer Georg Muche in der Meisterklasse für Textilkunst der Krefelder Textilingenieurschule. Über seine Erfahrungen als Muche-Schüler ergänzte Schriefers: „Muche lehrte nicht methodisch, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Itten, nicht wie ein Schulmeister, sondern er sprach über das Problem und gab Korrektur zu den Aufgaben, die es zu meistern galt.“

Sohn eines Webereileiters

Schon als Gymnasiast in Krefeld hatte sich Werner Schriefers, 1926 in Dülken (heute Viersen-Dülken) als Sohn eines Webereileiters geboren, intensiv für Kunst interessiert. Er hatte Kontakte zu Künstlern geknüpft und dabei erste künstlerische Erfahrungen gesammelt. Kurz vor dem Abitur wurde er 1943 zunächst zum Arbeitsdienst, dann zum Kriegsdienst eingezogen. Direkt nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Sommer 1945 holte er sein Abitur in Krefeld nach. Mit seinen bisherigen künstlerischen Arbeiten bewarb er sich 1946 erfolgreich um die Aufnahme in Georg Muches Meisterklasse für Textilkunst.

Assistent von Georg Muche in Krefeld

Schon 1947 wurde Schriefers Assistent Muches, 1948 freier Mitarbeiter des „Krefelder Entwurfsstudios (Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Meisterschüler der Meisterklasse für Textilkunst)“, in dem Absolventen der Meisterklasse Entwürfe für die Textilindustrie anfertigten.

Rasch-Tapeten

1949 wurde der Direktor der Werkkunstschule Wuppertal, Jupp Ernst, auf Schriefers aufmerksam, weil er dessen Werke in einer Ausstellung im Wuppertaler „Studio für junge Kunst“gesehen hatte. Als Freund Georg Muches glaubte Ernst, in Schriefers „verwandte Begabungen zu entdecken“ und berief ihn als Lehrer für Flächenmuster-Entwurf und Textilgrafik sowie Vorlehre an seine Schule. Finanziert wurde der Lehrauftrag unter anderem von der Tapetenfabrik Rasch, die bereits seit 1929 eng mit dem Bauhaus zusammengearbeitet hatte. Werner Schriefers hatte im Gegenzug als Entwerfer für Rasch zu arbeiten. Mit seinen Entwürfen wurde die Produktlinie der „Bauhaus-Tapete“ wieder aufgenommen und weitergeführt.

Von Wuppertal nach Köln

An der Werkkunstschule Wuppertal prägte Schriefers einerseits die Grundlehre (seit 1958 in einer eigenen Abteilung), andererseits beschäftigte er sich intensiv mit Fragen der Industriegestaltung und ihrer Lehre. 1963 wurde er stellvertretender Direktor der Werkkunstschule. 1965 wechselte Schriefers an die Kölner Werkschulen, um dort die Schulleitung zu übernehmen. Zwei Jahre später wurde hier die Werkgruppe für industrielle Formgebung eingerichtet. Mit der Eingliederung der Werkschulen in die neu gegründete Fachhochschule Köln übernahm Schriefers eine Meisterklasse für Malerei am Fachbereich Kunst und Design. Zu seinen bekanntesten Schülern dort zählt die Künstlerin Rosemarie Trockel.

Design-Sammler

Werner Schriefers war seit 1954 Mitglied des Deutschen Werkbundes, von 1990 bis 1992 sogar Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, und des Westdeutschen Künstlerbundes. Er wurde vielfach ausgezeichnet. Seine umfangreiche „Design-Sammlung-Schriefers[4] stiftete Werner Schriefers 1987 der Universität Wuppertal und seine Werk- und Formensammlung dem 2002 Erzbischöflichen Museum Kolumba in Köln.

(hd/co)

 


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